Showroom

Jüdisches Museum Berlin

    Client

  • Jüdisches Museum Berlin
  • Date

  • 2026
  • Involvement

  • Konzeption, Dialogdesign & Prompt-Architektur, KI-Entwicklung, UX- & Interface-Design
  • Links

    Link

Muster erkennen. Muster verlassen.

Für die Ausstellung „Das Gegenteil von Jetzt“, die derzeit im Jüdischen Museum Berlin zu sehen ist, hat NOUS M.O.O.N. entwickelt – ein KI-basiertes dialogisches Exponat, das Besucher:innen dabei unterstützt, sich Alternativen zur Gegenwart vorzustellen. M.O.O.N. ist dabei nicht als Informationsassistent konzipiert, sondern als eigenständiges Gegenüber mit einer klar definierten Rolle, einem bestimmten Verhalten und festgelegten Grenzen.

Die Anwendung ist darauf ausgelegt, eine echte Begegnung zu schaffen – keine Technologiedemonstration. M.O.O.N. hört zu, greift den Gedankengang der Besucher:innen auf und antwortet auf eine Weise, die Annahmen hinterfragen, neue Perspektiven eröffnen oder auch bewusst widersprechen kann. Jeder Dialog folgt einer gestalteten Dramaturgie mit fünf Phasen: Einstieg, Vertiefung, Irritation, Perspektivwechsel und Formfindung. So entsteht ein kontinuierliches Gespräch, in dem jede Antwort auf dem bisherigen Verlauf aufbaut – statt einer Folge voneinander losgelöster Fragen und Antworten.

Das konzeptionelle Prinzip nutzt eine zentrale Eigenschaft von Sprachmodellen auf ungewöhnliche Weise. LLMs erkennen Muster und sagen voraus, was wahrscheinlich als Nächstes folgt. M.O.O.N. nutzt diese Fähigkeit, um vertraute Denkmuster zu erkennen und sich anschließend bewusst über das Erwartbare hinauszubewegen. Der dialogische Charakter ist daher keine zusätzliche Tonalitätsebene, sondern Teil der inhaltlichen Vermittlungsidee der Ausstellung.

Die kuratorische Kontrolle ist über ein geschlossenes RAG-System in die technische Architektur integriert. M.O.O.N. bezieht ausstellungsspezifisches Wissen ausschließlich aus einer kuratierten Wissensbasis, die vom Museum bereitgestellt und freigegeben wurde, anstatt sich für interpretative Inhalte auf das allgemeine Weltwissen des Modells zu stützen. Eigene Prompts, Regeln und Filter definieren die Grenzen des Dialogs, während eine zusätzliche KI-Ebene den Gesprächsverlauf analysiert, bevor eine Antwort generiert wird. So kann M.O.O.N. auf Besucherebene offen, reaktionsfähig und dialogisch bleiben, während Faktenbasis, sensible Inhalte und museologische Verantwortung systematisch kontrolliert werden. Gesprächsinhalte werden nach dem Ende einer Session nicht dauerhaft gespeichert.

Am Ende des Austauschs überführt M.O.O.N. den gemeinsam mit den Besucher:innen entwickelten Gedanken in eine neue Form – etwa in ein Manifest, ein Gedicht, einen Brief oder eine Anleitung. Dabei wird der Dialog nicht einfach zusammengefasst. Die Idee der Besucher:innen kehrt aus einem anderen Blickwinkel zurück und verlängert so die Begegnung über die letzte Frage hinaus.

M.O.O.N. ist derzeit als integraler Bestandteil der Ausstellung im Jüdischen Museum Berlin zu sehen. Das Projekt zeigt, wie NOUS kuratorische Intention in Wissen, Charakter und dialogisches Verhalten eines LLM-basierten Ausstellungsmediums übersetzt – und dabei eine eigenständige KI-Persönlichkeit mit kontrollierter Wissensgrundlage und robusten Schutzmechanismen verbindet.